09.03.2010 |

Anonymität, Pseudonymität und Identitätsmanagement im Internet

Das Internet bietet viele Möglichkeiten der Selbstdarstellung: zum Zweck der eigenen Vermarktung (Xing, Jobportale), zur Veröffentlichung eigener Texte (neon, Blogs), zum Kundtun des eigenen Standpunktes in Foren oder als Teil eines sozialen Netzwerks.
Identitätsmanagement beginnt mit der Frage: Was weiß das Netz über mich? Was ist öffentlich sichtbar zu meiner Person? Der Personalchef, der sich zunächst mit Hilfe von Suchmaschinen über Bewerber schlau macht, darf mittlerweile als berühmt-berüchtigtes Beispiel für die Notwendigkeit des eigenen Identitätsmanagements gelten.  Der eigene Klarname führt zu persönlichen Daten, Fotos und Beiträgen, die sich im besten Fall zu einem scharfen, aber auch  im schlimmsten Fall zu einem negativen Bild  zusammenfügen. Jeder einzelne User ist aufgefordert, sich sehr genau Gedanken über die Preisgabe persönlicher Informationen (und deren mögliche Verwendung) zu machen. Deren  Kontrolle gestaltet sich  im Netz als schwierig. Die Voraussetzung für gutes Identitätsmanagement ist eine ausreichende Medienkompetenz.
Anders liegt der Fall, wenn Netzwerke oder Communities die Möglichkeit der Pseudonymisierung oder Anonymisierung bieten. Gerade in persönlichen Foren, die sich mit Themen wie Gesundheit oder Seelsorge befassen, ermöglicht ein Pseudonym Offenheit und eine sehr viel niedrigere Hemmschwelle, tabuisierte oder sehr private Themen zu diskutieren.  Im politischen Rahmen kann dies zudem mehr Meinungsfreiheit bedeuten (beispielsweise Blogs von chinesischen Menschenrechtlern), wenn persönliche Ansichten oder Erlebnisberichte ohne Angst vor Repressionen veröffentlicht werden können. Doch hat das Verbergen der eigenen Identität auch Kehrseiten, wenn diese als Freifahrtschein für Mobbing, Rufschädigungen oder betrügerische Vorhaben genutzt wird.